Der Zehntturm
Text und
Bilder mit freundlicher Genehmigung von Karl Züllighofen, Bandorf
Aus der
Chronik: 950 Jahre Bandorf
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Bild:
Hoppesboxer |
Mit vielen
historischen Gebäuden kann der kleine Ort Bandorf nicht aufwarten, jedoch
ein dominantes Bauwerk, der Zehnthof, im Volksmund oft auch Zehntturm
genannt, bleibt dem Besucher des Ortes meist in Erinnerung. Er bildet den
Mittelpunkt des einst mit Fachwerkhäusern umgebenen Ortskerns. In diesem
burgähnlichen Gebäude, nach Prof. Paul Clemen vermutlich auf römischen
Grundmauern errichtet, residierte um 1276 ein Ritter Reinoldus von
Baggerdorp, dessen Geschlecht bereits 100 Jahre später ausgestorben war. Was
ist über diesen mächtigen dreigeschossigen Bruchsteinbau von zwei Achsen und
fast quadratischem Grundriss mit Zeltdach zu berichten? Ein Rückblick auf
die Geschichte dieser Anlage soll dem Beschauer einige Daten vermitteln.Der
Zehnthof wurde wahrscheinlich so genannt, weil früher dort "Der Zehnte"
gelagert wurde. Das Wappen der Baggerdorps mit "Adler und Turnier-Krempen",
das auch bei den Herren von Sinzig und den Burggrafen der Landskrone zu
finden ist, veranschaulicht, dass es sich hier um eine Sippe handelte, die
meist einem Verwandten Auf der Südwand ist durch Maueranker die
Jahreszahl1657 (1687?) angebracht. Entgegen der Meinung von Paul Clemen und
Hermann Bauer, die sich auf die Jahreszahl 1657 festlegten, sind wir der
Meinung, dass es sich nach Aussehen und Form um die Jahreszahl 1687 handelt.
Der Zehnthof wurde im Laufe der Jahrzehnte als Herrenhaus, zwischenzeitlich
auch als Bauernhaus mit umliegenden Scheunen und Stallungen genutzt, heute
nur noch als Wohnhaus. Laut Hermann Bauer "hatten die von Dollendorf,
verwandt mit dem Geschlecht der Baggerdorps, die Burganlage geerbt und
später an das St. Lambertushospital in Düsseldorf veräußert." Leider gibt es
nach Paul Clemen hierüber keine genauen Kenntnisse. Des weiteren
recherchierte er, "dass der Turm des damaligen Herrensitzes eine Höhe von 30
m hatte. Heute hat der Turm eine Höhe von 20 m (10 m bis zur Dachtraufe und
weitere 10m bis zur Dachspitze). Das Mauerwerk ist stark mit Basaltbrocken
untermischt. Die Eckquaderung besteht aus Trachyt, womit auch Fenster und
Türen eingefasst sind. Die Außenmauer ist unten 2 m, im 1. Stock 1,50 m und
im 2. Stock 0,75 m stark. Dadurch werden die Zimmer, je höher man steigt,
zunehmend größer. Durch eine oben abgerundete Eichentür gelangt man von der
ebenen Erde aus in die Küche, deren Fußboden früher mit schweren, massiven
Steinen geplattet war. Eine dieser Platten, die man hochziehen konnte,
diente als Schütte für die Kartoffeln. Der gewölbte Keller, der nur unter
der Hälfte des Hauses liegt, war das Verlies der Burg. Der frühere Besitzer,
der hier in seinem Altenteil lebt, hat noch an der hochziehbaren Platte den
Ring gesehen, an dem die Gefangenen angekettet waren, den offenen Kamin aber
sah man seit Beginn des 19. Jahrhunderts nicht mehr. Neben der Küche
befindet sich noch ein kleiner Wohnraum; in die Schlafgemächer führt von
hier aus eine kleine Wendeltreppe bis in den 2. Stock." Außerdem gelangt man
dorthin über eine Außentreppe.
Backhaus und
Räucherkammer
Angegliedert
war in einem Nebengebäude, das an denTurmweg grenzte, das Backhaus sowie
eine Räucherkammer. Beide Anlagen wurden noch bis in die 50erJahre genutzt.
Außerdem war die örtliche Wasserleitung bis 1948 dort vorzufinden. Früher
wurde das Wasser von einem im Hof vorhandenen Brunnen entnommen. Leider
wurde im September 1995 mit dem Abriss dieser noch gut erhaltenen Anlage
begonnen, die zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zum Bestand des Zehnthofes
zählte. Das eigentliche Backes sowie die angrenzende Räucherkammer waren
noch gut erhalten. Über der Feuerung des Backes war die Jahreszahl 1847
eingemeißelt. In diesem teils in Fachwerk und roten Ziegelsteinen
gemau¬erten Schuppen war früher auch eine Wein- und Obstkelter
untergebracht.Der damalige Eigentümer des Grundstückes erstellte dort einen
kleinen Anbau an das 1930 von Stallungen zum Wohnhaus umgebaute Anwesen.
Der Zehnthof
wird umfangreich renoviert
Emmy
Monschau, die als Burgherrin dem Besitz vorstand, ließ zusammen mit hrem
Ehegatten Hans Monschau 1973 die Anlage stilgerecht renovieren. Am 14. April
1973 wurde der Bauantrag für die Renovierungsarbeiten bei der Stadt Remagen
gestellt und bereits am 23. August erteilte Ahrweiler die Genehmigung. Somit
konnte am 1. September 1973 mit den Arbeiten begonnen werden. In
Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalpflege wurden die Arbeiten
durchgeführt. Der ursprüngliche, grobsteinig aufgetragene Verputz im
Außenmauerwerk diente als Vorlage für die Renovierungsarbeiten. Auf
Vorschlag der staatlichen Denkmalpflege in Mainz wurde daraufhin ein "einlagiger
Trassenkalkputz" ein bis zwei Zentimeter stark aufgetragen und anschließend
mit kleinen Holzscheiben glatt gerieben. Der historischen Forderung
entsprechend wurde die farbige Fassung in Weiß für die großen Putzflächen
und in einem gotischen Rot die Eckquaderung sowie Fenster und Türen
gestrichen. Das Zeltdach wurde mit Naturschiefer neu eingedeckt. Nach der
Fertigstellung begrüßte Emmy Monschau, geb. Gründel bei einem Empfang am
15.11.1973 den damaligen Bürgermeister Hans Peter Kürten und viele Gäste und
erläuterte nochmals die Anstrengungen, auch finanzieller Art, die zu diesem
erfreulichen Ergebnis geführt hatten. Hans Monschau bedankte sich im Namen
seiner Frau auch für die Mithilfe der Stadt Remagen, die aus dem Fond der
Francois-Spende 3100 DM als Darlehen für die Renovierung zur Verfügung
stellte. Nach Abschluss der Renovierungsar¬beiten erstrahlte das Baudenkmal
nun im neuen Glanz.
Gebäudeschäden durch Erdbeben
Am 13. April
1992 erschütterte ein Erdbeben mit einer Stärke von 5,9 auf der Richterskala
das Rheinland. Das Epizentrum befand sich sechs Kilometer südweslich der
holländischen Stadt Roermond im Maastal. Auch in Bandorf war die
Erschütterung durch das Beben stark zu spüren. Dabei wurde der Zehnthof
leicht beschädigt. Teile des Kamins fielen auf den Boden und es entstanden
einige Risse in den Außenwänden.
Neuer
Burgherr
Seit dem 19.
Jahrhundert befand sich der Zehnthof im Besitz der Familie Hermann Loosen
und Louise, geborene Holthoff aus Flamersheim, den Urahnen von Paul Gründel.
Inzwischen ist der Zehnthof im Besitz von Norbert Monschau, Sohn von Emmy
und Hans Monschau, der sich nun in der siebten Generation für dieses Denkmal
verantwortlich fühlt. Auch heute noch sehen die Bandorfer stolz auf dieses
historische Bauwerk aus längst vergangener Zeit. So bleibt der Zehnthof
weiterhin der geschichtliche Mittelpunkt des Ortes.
Karl
Züllighofen
Literatur:
Bauer, H.
(1976): Unter Denkmalschutz In: Heimat) Jahrbuch für den Kreis Ahrweiler
Clemen, P.:
Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz
Monschau, E.
(2004): mündliche Mitteilungen