Zehntturm

05.11.08

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Bandorf
Zehntturm
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Der Zehntturm

Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung von Karl Züllighofen, Bandorf

Aus der Chronik: 950 Jahre Bandorf

Bild: Hoppesboxer

Mit vielen historischen Gebäuden kann der kleine Ort Bandorf nicht aufwarten, jedoch ein dominantes Bauwerk, der Zehnthof, im Volksmund oft auch Zehntturm genannt, bleibt dem Besucher des Ortes meist in Erinnerung. Er bildet den Mittelpunkt des einst mit Fachwerkhäusern umgebenen Ortskerns. In diesem burgähnlichen Gebäude, nach Prof. Paul Clemen vermutlich auf römischen Grundmauern errichtet, residierte um 1276 ein Ritter Reinoldus von Baggerdorp, dessen Geschlecht bereits 100 Jahre später ausgestorben war. Was ist über diesen mächtigen dreigeschossigen Bruchsteinbau von zwei Achsen und fast quadratischem Grundriss mit Zeltdach zu berichten? Ein Rückblick auf die Geschichte dieser Anlage soll dem Beschauer einige Daten vermitteln.Der Zehnthof wurde wahrscheinlich so genannt, weil früher dort "Der Zehnte" gelagert wurde. Das Wappen der Baggerdorps mit "Adler und Turnier-Krempen", das auch bei den Herren von Sinzig und den Burggrafen der Landskrone zu finden ist, veranschaulicht, dass es sich hier um eine Sippe handelte, die meist einem Verwandten Auf der Südwand ist durch Maueranker die Jahreszahl1657 (1687?) angebracht. Entgegen der Meinung von Paul Clemen und Hermann Bauer, die sich auf die Jahreszahl 1657 festlegten, sind wir der Meinung, dass es sich nach Aussehen und Form um die Jahreszahl 1687 handelt. Der Zehnthof wurde im Laufe der Jahrzehnte als Herrenhaus, zwischenzeitlich auch als Bauernhaus mit umliegenden Scheunen und Stallungen genutzt, heute nur noch als Wohnhaus. Laut Hermann Bauer "hatten die von Dollendorf, verwandt mit dem Geschlecht der Baggerdorps, die Burganlage geerbt und später an das St. Lambertushospital in Düsseldorf veräußert." Leider gibt es nach Paul Clemen hierüber keine genauen Kenntnisse. Des weiteren recherchierte er, "dass der Turm des damaligen Herrensitzes eine Höhe von 30 m hatte. Heute hat der Turm eine Höhe von 20 m (10 m bis zur Dachtraufe und weitere 10m bis zur Dachspitze). Das Mauerwerk ist stark mit Basaltbrocken untermischt. Die Eckquaderung besteht aus Trachyt, womit auch Fenster und Türen eingefasst sind. Die Außenmauer ist unten 2 m, im 1. Stock 1,50 m und im 2. Stock 0,75 m stark. Dadurch werden die Zimmer, je höher man steigt, zunehmend größer. Durch eine oben abgerundete Eichentür gelangt man von der ebenen Erde aus in die Küche, deren Fußboden früher mit schweren, massiven Steinen geplattet war. Eine dieser Platten, die man hochziehen konnte, diente als Schütte für die Kartoffeln. Der gewölbte Keller, der nur unter der Hälfte des Hauses liegt, war das Verlies der Burg. Der frühere Besitzer, der hier in seinem Altenteil lebt, hat noch an der hochziehbaren Platte den Ring gesehen, an dem die Gefangenen angekettet waren, den offenen Kamin aber sah man seit Beginn des 19. Jahrhunderts nicht mehr. Neben der Küche befindet sich noch ein kleiner Wohnraum; in die Schlafgemächer führt von hier aus eine kleine Wendeltreppe bis in den 2. Stock." Außerdem gelangt man dorthin über eine Außentreppe.

Backhaus und Räucherkammer

Angegliedert war in einem Nebengebäude, das an denTurmweg grenzte, das Backhaus sowie eine Räucherkammer. Beide Anlagen wurden noch bis in die 50erJahre genutzt. Außerdem war die örtliche Wasserleitung bis 1948 dort vorzufinden. Früher wurde das Wasser von einem im Hof vorhandenen Brunnen entnommen. Leider wurde im September 1995 mit dem Abriss dieser noch gut erhaltenen Anlage begonnen, die zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zum Bestand des Zehnthofes zählte. Das eigentliche Backes sowie die angrenzende Räucherkammer waren noch gut erhalten. Über der Feuerung des Backes war die Jahreszahl 1847 eingemeißelt. In diesem teils in Fachwerk und roten Ziegelsteinen gemau¬erten Schuppen war früher auch eine Wein- und Obstkelter untergebracht.Der damalige Eigentümer des Grundstückes erstellte dort einen kleinen Anbau an das 1930 von Stallungen zum Wohnhaus umgebaute Anwesen.

Der Zehnthof wird umfangreich renoviert

Emmy Monschau, die als Burgherrin dem Besitz vorstand, ließ zusammen mit hrem Ehegatten Hans Monschau 1973 die Anlage stilgerecht renovieren. Am 14. April 1973 wurde der Bauantrag für die Renovierungsarbeiten bei der Stadt Remagen gestellt und bereits am 23. August erteilte Ahrweiler die Genehmigung. Somit konnte am 1. September 1973 mit den Arbeiten begonnen werden. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalpflege wurden die Arbeiten durchgeführt. Der ursprüngliche, grobsteinig aufgetragene Verputz im Außenmauerwerk diente als Vorlage für die Renovierungsarbeiten. Auf Vorschlag der staatlichen Denkmalpflege in Mainz wurde daraufhin ein "einlagiger Trassenkalkputz" ein bis zwei Zentimeter stark aufgetragen und anschließend mit kleinen Holzscheiben glatt gerieben. Der historischen Forderung entsprechend wurde die farbige Fassung in Weiß für die großen Putzflächen und in einem gotischen Rot die Eckquaderung sowie Fenster und Türen gestrichen. Das Zeltdach wurde mit Naturschiefer neu eingedeckt. Nach der Fertigstellung begrüßte Emmy Monschau, geb. Gründel bei einem Empfang am 15.11.1973 den damaligen Bürgermeister Hans Peter Kürten und viele Gäste und erläuterte nochmals die Anstrengungen, auch finanzieller Art, die zu diesem erfreulichen Ergebnis geführt hatten. Hans Monschau bedankte sich im Namen seiner Frau auch für die Mithilfe der Stadt Remagen, die aus dem Fond der Francois-Spende 3100 DM als Darlehen für die Renovierung zur Verfügung stellte. Nach Abschluss der Renovierungsar¬beiten erstrahlte das Baudenkmal nun im neuen Glanz.

Gebäudeschäden durch Erdbeben

Am 13. April 1992 erschütterte ein Erdbeben mit einer Stärke von 5,9 auf der Richterskala das Rheinland. Das Epizentrum befand sich sechs Kilometer südweslich der holländischen Stadt Roermond im Maastal. Auch in Bandorf war die Erschütterung durch das Beben stark zu spüren. Dabei wurde der Zehnthof leicht beschädigt. Teile des Kamins fielen auf den Boden und es entstanden einige Risse in den Außenwänden.

Neuer Burgherr

Seit dem 19. Jahrhundert befand sich der Zehnthof im Besitz der Familie Hermann Loosen und Louise, geborene Holthoff aus Flamersheim, den Urahnen von Paul Gründel. Inzwischen ist der Zehnthof im Besitz von Norbert Monschau, Sohn von Emmy und Hans Monschau, der sich nun in der siebten Generation für dieses Denkmal verantwortlich fühlt. Auch heute noch sehen die Bandorfer stolz auf dieses historische Bauwerk aus längst vergangener Zeit. So bleibt der Zehnthof weiterhin der geschichtliche Mittelpunkt des Ortes.

Karl Züllighofen

Literatur:

Bauer, H. (1976): Unter Denkmalschutz In: Heimat) Jahrbuch für den Kreis Ahrweiler

Clemen, P.: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz

Monschau, E. (2004): mündliche Mitteilungen

 

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