Beenos Senf,
Teil VIII
Hallo Leute,
nun ist doch wieder ein ganzes Jahr vergangen, seitdem ich mich bei Euch
gemeldet habe. Ich hatte mir fest vorgenommen, wesentlich früher Laut zu
geben. Aber die heutige Zeit ist so hektisch und geht so schnell vorbei, man
bekommt nichts mehr geschafft. Jetzt bin ich fast 10 Jahre alt, ein stolzes
Alter für einen Boxer-Rüden. Ich habe vor, Euch noch eine Weile über meine
Erlebnisse zu berichten, mir geht es nämlich wirklich richtig gut. Naja, die
Knochen spielen nicht immer so mit, auch ist meine Kondition nicht mehr die
Beste, aber wenn man mich alles etwas vorsichtiger und langsamer machen
lässt, dann geht das alles noch ganz gut. Mich hetzt ja schließlich keiner.
Also dieses Jahr hatte es so richtig in sich. Es war aufregend, spannend,
voller Erlebnisse und auch ein bisschen traurig. Aber so ist das Leben, wir
müssen es so nehmen wie es kommt und immer das Beste daraus machen. Dass man
auch die Zeiten übersteht, wo es mal nicht so rund läuft, dafür hat man
Freunde. Auf die konnten wir uns auch in diesem Jahr wieder so richtig
verlassen. Danke Euch allen.
So,
was hat denn das Jahr so alles für mich gebracht. Zunächst war es lange
sehr, sehr kalt. Mir hat das nicht so viel ausgemacht, aber Frauchen und
Herrchen haben immer gestöhnt und gezittert. Das kommt davon, wenn man fast
immer eine Heizdecke im Bett hat und alle Heizkörper hoch stellt und auch in
der Wohnung mit dicker Jacke sitzt. Dann friert man halt immer. Wenn es mir
zu kalt ist, dann kuschele ich mit meinen Mädels, das hält warm und macht
Spaß.
Ostern
sind wir dann zu unserem Freund Ede nach Wilhelmshaven gefahren. Haben dort
mit dem Wohnwagen auf dem Hundeplatz gestanden. Das war praktisch, Tür auf
und raus. Der ganze Platz ist nämlich eingezäunt, wir konnten nicht weg,
hatten aber jede Menge Wiese nur für uns allein. Haben dort auch mein altes
Herrchen Wolli getroffen und sind dann viel auf den Wiesen fährten gewesen.
Schon da habe ich mir sehr intensiv mein Hummelchen angesehen. Die hat
wirklich Talent für die Fährte. Sie sucht ruhig, langsam und gut. Ich werde
ihr weiterhin Ratschläge geben und ihr helfen, so als Coach.
Als wir wieder zu Hause waren ist unser Herrchen einfach so umgefallen. Er
musste ins Krankenhaus. Als er wieder zu Hause war konnte er aber noch nicht
mit meiner Eyka weiterarbeiten. Frauchen musste wieder ran und ist mit ihr
Prüfung gelaufen. Ja, dann haben die beiden in Bad Kreuznach tatsächlich
eine Qualifikation für die Landesmeisterschaft erreicht. Die zweite Quali
schafften sie in Gießen. Mein Frauchen und meine Eyka bei der
Landesmeisterschaft, das war eine tolle Sache. Leider hat Frauchen an der
Hürde einen Fehler gemacht, so dass 5 Punkte für die Qualifikation zur
Deutschen Meisterschaft fehlten. Macht aber nichts, die Beiden hatten ein
tolles Jahr. Mein Hummelchen hat uns einige Sorgen gemacht. Ende letzten
Jahres hatte sie sich einen Fangzahn abgebrochen und musste in Duisburg
operiert werden. Trotzdem hatte sie beim Schutzdienst Schmerzen. Ein anderer
Arzt stellte zwei Eiterherde im Zahnfleisch fest, die dann auch wegoperiert
wurden. Dann endlich konnte Frauchen mit ihr weiterarbeiten. Bei der Gruppe
Bergstraße in Bürstadt hat sie dann im September die
Zuchttauglichkeitsprüfung bestanden und im Oktober in Bad Kreuznach die FH I
und in Koblenz die VPG I. Bei meinem Freund Hans in Wachtberg ist sie dann
noch eine FH I mit 96 Punkten gelaufen. Also ich habe viel Spaß an der
Kleinen, hoffentlich erlebe ich sie noch auf einer großen Meisterschaft.
Wenn ich das schon nicht geschafft habe, meinem Hummelchen drücke ich alle
Pfoten ,dass sie es packt.

Im Sommer waren wir fast zwei Wochen bei meinem alten Herrchen Wolli im
Jeverland. Das hat richtig gut getan. Hier habe ich auch mit meinen
Schwestern Beka und Gipsy (Bonna) gespielt. War richtig schön mit der
Verwandtschaft.
In Münster bei den Deutschen Meisterschaften haben wir uns dann alle
wiedergesehen.
Der Joachim und die Gaby standen mit ihrem Wohnwagen direkt neben uns. Das
sind die mit dem Querido. Unsere Auseinandersetzung bei der Prüfung in Bad
Kreuznach ist ja nach Meinung aller unentschieden ausgegangen, obwohl ich
mich nach Punkten klar vorne sah. So warteten wir Beide im Wohnwagen sitzend
hinter den Scheiben auf eine Chance zur endgültigen Klärung. Ich verstehe
überhaupt nicht, dass man uns diese Chance nicht geben will. Joachim und
Frauchen achten immer genau darauf wo wir sind. „pass auf, der Querido ist
draußen“ ….“ich schließ erst mal den Dicken weg“ usw., so sind sie halt alle
Spielverderber.
Hier
in Münster habe ich mich mit einem ganz komischen Gefühl von meiner
Schwester Gipsy verabschiedet, ich habe ihr lange nachgeschaut. Es war
wirklich das letzte Mal, dass ich sie gesehen habe, denn einige Wochen
später ist sie gestorben. Tschüß meine Schwester, Du warst toll. Ich werde
Dich nie vergessen und reservier uns da oben eine gute Fährtenwiese.

Leute und dann begannen Frauchen und Herrchen Planungen von denen ich
wirklich nicht weiß was ich davon halten soll. Die Beiden telefonierten und
diskutierten unwahrscheinlich viel. Und immer fiel der Name Hummel und es
ging darum „wann wird sie endlich heiß“. Es drehte sich alles nur noch um
unser Nesthäkchen. Ich habe mir dann so Einiges zusammengereimt und
wirklich, der Zwerg soll Babys bekommen. Ganz viele dieser kleinen Würmer,
das ganze Haus voll von diesen Zwergen. Stellt Euch das mal vor, wie soll
ich dann noch in Ruhe schlafen, wo soll ich denn dann noch Platz haben.
Herrchen hat mich dann versucht zu beruhigen, er meinte die bleiben nicht
lange, nach ein paar Wochen bekommen die alle ein neues Herrchen und sind
weg. Wirklich alle???? Naja, vielleicht bleibt eine Zwergin hier, aber nur
vielleicht. Glauben tu ich denen nichts mehr. Und die haben wirklich ernst
gemacht. Die sind mit der Hummel zu einem anderen Rüden gefahren. Ich war
ihnen ja nicht gut genug. Vorsichtshalber haben die mir vor ein paar Monaten
meine besten Teile entfernen lassen. Ich bin nun kein richtiger Rüde mehr.
Es wäre das Beste für mich, danach würde es mir viel besser gehen. Die
Schmerzen beim Pippi machen sind ja auch seitdem weg (unsere Tierärzte haben
irgendetwas von einem Teil namens Prostata erzählt, das wohl entzündet war).
Trotzdem habe ich mein Herrchen angeschaut und mir so gedacht was dem so
alles gut tun würde…..Und nun warten wir alle auf einen Stall voller Zwerge,
ich fass es nicht.
Ja, die Hummel, fassungslos beobachte ich immer wieder was die alles darf
und was die sich alles erlaubt. Die klaut, bettelt, geht selbstverständlich
zu Frauchen und Herrchen ins Bett. Wenn sie auf der einen Seite
herausgeschmissen wird, geht sie auf der anderen Seite wieder rein. Hören
ist ein Fremdwort für sie. Auch vor mir hat sie keinen Respekt. Selbst wenn
ich in meinem Körbchen liege, sie legt sich einfach dazu. Es ist ihr
vollkommen egal ob sie mir auf dem Kopf oder den Beinen liegt. Leute, so ein
Biest habe ich noch nie erlebt. Was ist doch meine Eyka dagegen für ein
liebes Mädchen und die kann einem schon gewaltig auf den Geist gehen. Aber
es ist halt alles wie im richtigen Leben. Und Frauchen und Herrchen sagen
dann auch noch immer „ist sie nicht niedlich, ja so muss ein richtiger Boxer
sein“. Ich wollte auch immer ein richtiger Boxer sein, nur bei mir hieß das
immer „lass das, pfui ist das, benimm dich“. Wahrscheinlich liegt es daran
das Frauen immer mehr dürfen als wir Männer.
Beim Landesgruppen-Pokalkampf in Koblenz, da habe ich alter Mann es noch
einmal allen gezeigt. Habe den Pokal für die beste Fährte mit 98 Punkten
erhalten. Man darf halt die Alten nie abschreiben.
Vor
ein paar Wochen habe ich im Jeverland bei meinem Wolli meine letzte Prüfung
gelaufen. Mit Frauchen zusammen sind wir insgesamt 29-mal an den Start
gegangen und haben dabei viel erlebt. Ich hatte immer Spaß, Frauchen sah das
sicher manchmal etwas anders. Ich war immer der Meinung, dass der Spaß an
der Sache das Wichtigste ist. Und wir haben viel gelacht.
Zum Schluss habe ich meine Sache doch noch recht gut gemacht. Ich habe denen
zwei Gegenstände liegen gelassen, die sollten doch was zu diskutieren haben.
Richtig Stolz war ich über die Kommentare der Zuschauer. „Tolle
Suchleistung, warum hört der denn auf, der kann doch noch mindestens ein
Jahr Prüfungen laufen“. Nee, nee liebe Leute, man muss immer wissen wann man
aufhört. Ich heiße doch nicht Axel Schulz und lasse mich auspfeifen und vom
Fährtengelände tragen. Ich gebe meine Erfahrungen lieber an das Hummelchen
weiter und bleibe ein aufmerksamer Zuschauer.
So und nun wünsche ich Euch allen ein frohes Weihnachtfest und ein gutes und
gesundes neues Jahr. Bleibt alle artig, streitet Euch nicht, genießt das
Leben, denn es ist schön.
Bleibt meine Freunde und bis bald
Euer Beeno