Rocky

05.11.08

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Die Geschichte "Der Boxer Rocky" und die Fotobilder

sind Copyright (©) bei Hoppesboxer

Steffi und Jürgen Hoppe, Im Hermesacker 1, 53424 Remagen

Die Geschichte des Boxers Rocky ist eine (fast) erfundene Geschichte. Fast????, vielleicht gibt es ja die handelnden Personen irgendwo im wirklichen Leben. Vielleicht hat ja jede dieser Personen etwas von dieser Geschichte erlebt. Alles zusammen ist dies dann die Lebensgeschichte des Boxers Rocky. Vielleicht..........

Wir wünschen jedenfalls viel Spaß beim Lesen.

 

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Der Boxer Rocky

- und das glücklichste Lächeln der Welt

 

 Hallo liebe Leute. Ich bin der Boxer Rocky und liege hier auf meinem Lieblingsplatz. Mein Lieblingsplatz ist der beste Platz auf der ganzen Welt. Er liegt direkt neben einem Kachelofen auf einer breiten Fensterbank. Von hier habe ich alles im Blick. Jeden der im Zimmer ist, jeden der hier herein will und jeden der durch den Vorgarten zu unserer Haustür kommt. Hier liege ich nun und schaue aus dem Fenster. Draußen schneit es. Weihnachten ist vorbei und wir warten auf das neue Jahr. Ein ganzes Jahr lang habe ich hier nicht liegen können, denn ich habe das größte Abenteuer meines Lebens erlebt. Nicht freiwillig, aber erlebt ist erlebt. Dieses Abenteuer erzähle ich Euch gleich. Aber zunächst einmal muß ich Euch ja einmal unsere ganze Familie vorstellen. Also ich bin der Boxer Rocky, aber ich heiße nicht nur Rocky, sonder Rocky vom Rheinblick. Ich habe nämlich ganz offizielle Papiere vom Boxer-Klub. Ich bin jetzt 3 ½ Jahre alt. Zu meiner Familie gehören zunächst einmal mein großes Frauchen, das ist die Sandra. Ihr Mann ist der Dieter, den mag ich aber nicht, weil der meistens meine Sandra schlecht behandelt. Aber das erzähle ich Euch alles später. Dann gibt es noch Tom. Tom ist 12 Jahre alt und ein ganz feiner Kerl. Seit der Opa Paul tot ist, wohnt die Oma Gertrud in unserem Haus. Ich habe den Opa Paul nur ein paar Mal gesehen, ich war da noch ganz klein. Aber alle sagen, er war der beste Opa der Welt. Die wichtigste Person in meinem Leben aber ist Ann-Kathrin. Ann-Kathrin ist 15 Jahre alt und sitzt seit zwei Jahren im Rollstuhl. Wir zwei machen alles zusammen. Ich bin immer bei ihr. Ohne mich unternimmt sie nichts. Früher, als Ann-Kathrin noch laufen konnte, war sie eine tolle Basketballspielerin. Ich war bei jedem Training und Spiel dabei. Bei den Spielen habe ich immer neben der Mannschaftsbank gelegen. Keine Spielerin ist auf das Feld gelaufen, ohne mich vorher ins Ohr zu zwicken. Ich gehörte zur Mannschaft dazu. Doch dann kam dieser schreckliche Sonntag. Ann-Kathrins zweites Hobby war das Reiten und jeden Sonntag Morgen machten wir zwei einen Ritt durch den Wald. An diesem Morgen kam plötzlich ein Auto aus einem Waldweg angerast. Ann-Kathrins Pferd erschreckte sich so, dass es hochstieg und buckelte und Ann-Kathrin durch die Luft flog. Sie blieb reglos auf dem Boden liegen. Ich beschnupperte sie, konnte ihr aber nicht helfen. Laut bellend lief ich den

Weg zurück. Nachbarn sahen mich ohne Ann-Kathrin zurückkommen. Mit ihnen lief ich zu Ann-Kathrin zurück. Sofort wurde ein Krankenwagen gerufen und sie kam ins Krankenhaus. Seitdem kann sie nicht mehr laufen. Es war eine schwere Zeit, aber gemeinsam haben wir alles gemeistert. Aber jetzt habe ich schon wieder ausgeholt, ich wollte euch doch erst einmal meine Familie vorstellen. Also meine Familie sind Sandra, Oma Gertrud, Tom und Ann-Kathrin. Bis auf Oma Gertrud heißen die alle Gerhards mit Nachnamen. Den Dieter gibt es auch noch, aber den zähle ich nicht zur Familie. Wir wohnen in einer kleinen Stadt am Rhein. In unserem Haus ist ein Geschäft, wo man Zeitungen, Zeitschriften und Schreibpapier kaufen kann. Auch Lottoscheine kann man hier abgeben. An einer Stelle stehen ein paar Tische wo sich die Leute zum Kaffeetrinken treffen. Hierfür fühlt sich Dieter am meisten verantwortlich. Die Chefin des Ladens ist Sandra. Dort wo man die Lottoscheine abgeben kann steht eine Truhe. Hier ist mein zweiter Lieblingsplatz. Immer wenn Ann-Kathrin in der Schule ist, liege ich hier und passe auf Sandra auf. So und nun erzähle ich Euch das Erlebnis, das vor fast einem Jahr begann. Jetzt werdet ihr sicher fragen, wie kann ein Boxer uns Menschen etwas erzählen. Wir Boxer können das. Kommt jetzt einmal ganz nah zu mir heran,  setzt Euch einfach neben mich, legt die Arme ganz fest um mich und den Kopf an meine Schulter und schließt die Augen. Und nun konzentriert Euch, jetzt hört ihr mich, wie ich Euch aus meinem Leben erzähle...................

 ..........Gestern war Silvester und wir haben alle lang gefeiert. Es war ein tolles Feuerwerk. Mittlerweile habe ich davor keine Angst mehr. Wenn es anfängt zu knallen, gehe ich einfach hinaus und belle ein paar Mal. Dann wissen alle dass ich da bin und das alles in Ordnung ist. Nun können die Krach machen so viel wie sie wollen. Während wir feierten fing es an zu schneien und hörte bis zum Morgen nicht mehr auf. Nach diesem tollen Abend hat meine ganze Familie lange geschlafen, keiner wollte aufstehen. Ich schlafe immer bei Ann-Kathrin im Bett, an ihren Füßen darf ich es mir gemütlich machen. Wenn sie nicht wach werden will, rutsche ich langsam vom Fußende bis ans Kopfkissen. Einmal mit meiner Zunge quer übers Gesicht und dann noch ein kleiner Biss ins Ohr, natürlich nur so zum Spaß. Dann fängt sie immer an zu murren, aber sie wird dann doch irgendwann wach. Heute war das jedoch sehr mühsam, zu allen bin ich ans Bett gelaufen und habe versucht sie wachzukriegen. „Geh weg, lass mich in Ruh, geh in dein Körbchen“, das waren die Sprüche, die ich mir anhören musste. Als ich jedoch bei Oma Gertrud auftauchte und ihr einmal durchs ganze Gesicht geleckt habe und sie vor Schreck ihren Nachttisch umgeschmissen hatte, da waren alle wach. Schließlich liegt draußen Schnee und die Sonne scheint, da muss man doch. raus. Nun ist fast Mittag und es geht endlich los. Tom, Ann-Kathrin und ich gehen in den Schnee.

 

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Nichts macht mir mehr Spaß als im Schnee zu tollen. Tom und Ann-Kathrin werfen Schneebälle und ich versuche sie zu kriegen. Mittlerweile sind wir schon fast eine Stunde unterwegs, wir müssen sehr langsam gehen, weil Ann-Kathrin mit ihrem Rollstuhl schlecht vorankommt. Tom muss sie durch den Schnee schieben. Ich renne einfach weit voraus, ich höre noch wie Ann-Kathrin mich ruft, aber es macht doch soviel Spaß zu laufen. Auf einmal rieche ich etwas ganz tolles am Wegrand. Hier muss ein feines Hundemädchen gewesen sein. Ann-Kathrin und Tom brauchen sicher noch eine Weile bis sie hier sind und bis dahin bin ich ja auch wieder da. Also mach ich mich auf den Weg zu dieser geheimnisvollen Hundedame. Ab geht es in den Wald. Geradeaus, nach links und immer weiter. Doch nirgends finde ich das Mädchen. Naja, vielleicht laufe ich dann doch besser zu Ann-Kathrin und Tom zurück. Also mache ich mich auf den Weg zu meinen Beiden. Wie lange bin ich eigentlich weg, es können doch höchstens ein paar Minuten gewesen sein, der Wald sieht aber mittlerweile auch anders aus, bin ich nun von rechts oder von links gekommen, ich weiß es nicht mehr. Ob Ann-Kathrin mich schon sucht? Sicher finde ich sie gleich hinter dem nächsten Baum. Oh je, jetzt irre ich sicher schon Stunden in diesem Wald herum. Langsam wird es dunkel. Doch davorne sehe ich Licht und höre Stimmen. Gottseidank, das sind sicher Tom und Ann-Kathrin. Erleichtert laufe ich zu dem Licht. Dort stehen drei Männer, aber nirgends sehe ich meine Leute. Die Männer schauen sich an, „schaut mal wer da kommt, ein Köter“. Leute ihr seht doch, dass es mir nicht gut geht, beschimpfen müßt ihr mich ja nun nicht auch noch. Kritisch beobachte ich die Männer. „sollen wir den mitnehmen?“. Mitnehmen, also doch, die haben mitgeholfen, mich zu suchen. Freudig laufe ich nun zu den Männern und stelle mich an die Autotür. Los, macht doch jetzt schnell die Autotür auf, ich will endlich wieder nach Hause. Einer der Männer öffnet den Kofferraum, der andere packt mich ganz schnell unter den Bauch, hebt mich hoch und plötzlich liege ich im Kofferraum. Die Klappe geht zu und es ist dunkel um mich herum. Das Auto fährt los. Nein, das können keine Freunde von Ann-Kathrin sein. Nur, was machen die jetzt mit mir, wo fahren die hin. Nach etwa einer halben Stunde hält der Wagen an. Ich höre wieder Stimmen, man lässt mich jedoch im Kofferraum liegen. Langsam bekomme ich Angst. Plötzlich hält ein anderes Auto an und die Männer reden alle durcheinander. Dann geht der Kofferraum auf, zwei Hände halten mich fest, ein anderer hält mir ein Tuch vor die Nase und ich schlafe ein. Irgendwann werde ich wieder wach, ich liege in einem Drahtkäfig. Der Käfig steht in einem Auto. Ein Mann und eine Frau kommen zu mir und sagen etwas. Ich kann sie nicht verstehen, sie sprechen eine Sprache die ich nicht kenne. Beide setzen sich in das Auto und wir fahren los. Ich habe Hunger und Durst, aber es kümmert sich  keiner um mich. Wir fahren viele Stunden, manchmal kann ich durch ein Fenster etwas sehen, aber nichts kommt mir mehr bekannt vor. Draußen wird es dunkel und wir fahren in die Nacht hinein. Vor Erschöpfung schlafe ich ein. Als ich wach werde ist es wieder hell, wir fahren über schlechte Straßen, ich werde von einer Ecke in andere geschleudert. All meine Rippen tun mir weh. Endlich hält der Wagen, wir stehen vor einem alten Haus. Die Frau kommt mit einem Strick den sie mir um den Hals legt. Ich bin viel zu kaputt um mich zu wehren. Hoffentlich bekomme ich nur bald etwas zu trinken. Die Frau bringt mich in einen Stall. In einer Ecke liegt Stroh, hier bindet sie mich an. Und einen Napf mit Wasser stellt sie mir auch hin. Dankbar schaue ich sie an. Im Weggehen dreht sie sich noch einmal um, kommt zu mir und streichelt mich. Irgend etwas sagt sie mir auch dabei, ich kann es leider nicht verstehen. Aber es waren wohl die ersten netten Worte seit langer Zeit. Mit etwas Hoffnung schlafe ich wieder erschöpft ein. Am nächsten Morgen kommt die Frau wieder, ich höre wie jemand nach ihr ruft. Olga ist wohl ihr Name. Diesmal hat sie ein Halsband und eine Leine mit. Sie legt mir beides um und geht mit mir nach draußen. Jetzt erst merke ich dass ich, seit dem ich auf dem Parkplatz von den Männern ins Auto gestoßen wurde, kein Pippi mehr gemacht habe. Am ersten Strauch hebe ich das Bein und lasse laufen. Danach geht es mir schon gleich ein wenig besser. Olga streichelt mir über den Kopf und geht mit mir über eine große Wiese und durch einen kleinen Wald, das tut mir gut. Das Schnuppern lenkt mich ein wenig ab. Olga scheint nett zu sein. Nach einer halben Stunde sind wir wieder an der Scheune, ich muß zurück an meinen Platz. Olga bindet mich wieder an. Sie bringt mir frisches Wasser und etwas zu fressen. Man was habe ich für einen Hunger. Nun, mit etwas im Magen, kann ich auch wieder meine Gedanken sortieren. Also was ist eigentlich in den letzten Stunden oder Tagen passiert? Ich habe mich zu Hause im Wald verlaufen, Männer haben mich ins Auto gesperrt, andere Leute haben mich einschlafen lassen, ich bin Stunden in einem Auto gefahren und nun liege ich irgendwo in einem Stall, die Menschen sprechen eine andere Sprache, nur meine Ann-Kathrin ist nirgends. Wäre ich doch bloß nicht weggelaufen, hätte ich doch bloß Hündin Hündin sein lassen. Aber nun kann ich nichts mehr daran ändern. Nun muss ich genau beobachten was hier abläuft, ich darf keinen Fehler machen. Ich weiss nur eins, ich muss zurück nach Hause. Ob die mich noch immer suchen? Zunächst einmal muss ich mich an Olga halten, die ist nicht böse. In den nächsten Ttagen tut sich hier nicht viel. Olga bringt mir regelmäßig Wasser und Futter und geht mit mir spazieren. Immer wenn sie alleine ist, nimmt sie mich in den Arm und erzählt mir irgend etwas. Ah, da kommt sie schon wieder. Mit ihr kommt der Mann der mich hierhin gefahren hat. Olga redet auf ihn ein, ich glaube sie weint. Dann stößt der Mann sie weg und schlägt nach ihr. Aus dem Liegen springe ich zu dem Mann und packe ihn an den Arm. Er schreit und schlägt nach mir und ich beiße ein paar Mal kräftig zu. Schützend stelle ich mich vor Olga. Mein Freund, die schlägst du nicht noch einmal. Schimpfend verläßt der Mann den Stall und weinend umarmt mich Olga. Am nächsten Morgen kommen zwei Männer zu meinem Strohlager und bevor ich mich richtig wehren kann, hat einer mir wieder so Tuch auf die Nase gelegt. Ich schlafe sofort ein. Als ich wach werde, ist es ganz laut um mich herum. Ich liege wieder in diesem Drahtkäfig. Viele Menschen laufen hier laut redend herum. Überall stehen Käfige mit Hunden, Katzen und Hühnern. Manchmal hält jemand an, begutachtet mich und spricht mit dem Mann der mich hierhin gebracht hat. Es ist kalt und ich habe Hunger und Durst. Nirgends sehe ich Olga. Sicher werde ich sie nie wieder sehen. Plötzlich höre ich eine Kinderstimme. „Mami schau mal ein Boxer, ein Boxer. Genauso einer wie unser Baldo es war.“ Sofort hebe ich meinen Kopf und setze mich hin. Das Mädchen kommt an den Käfig und ruft immer wieder „Baldo, Baldo“. Nun sehe ich auch die Eltern. Die Mutter sagt „ja das ist unser Baldo“. Die Leute reden mit dem Mann, das Mädchen sitzt vor meinem Käfig und versucht mich zu streicheln. Mit meinen Pfoten versuche ich sie durch die Gitterstäbe zu berühren. Der Mann schüttelt den Kopf, die Eltern ziehen das  kleine Mädchen von mir weg und weinend verschwinden Mutter und Tochter in der Menschenmenge. Nun kommen zwei eigenartige Männer an den Käfig und sprechen mit meinem Aufpasser. Sie geben sich die Hand und einer von den beiden holt ein Bündel Geld aus der Hosentasche. Oh Gott, das darf doch wohl nicht war sein, die werden mich nun mitnehmen. Ne das mache ich nicht mit. Da steht plötzlich der Vater von dem kleinen Mädchen wieder vor meinem Käfig. Es wird laut alle streiten sich, ich höre wie der Vater sagt, nennen sie mir den Preis, ich zahle was sie wollen. Dann drückt er jedem der Männer Geldscheine in die Hand, öffnet den Käfig und ehe mich umdrehen kann habe ich eine Leine um und verschwinde mit ihm in der Menschenmenge. Nach ein paar Minuten nehmen mich die kleine Tochter und die Mutter in den Arm und hören nicht auf mich zu drücken. Ich habe wohl plötzlich eine neue Familie bekommen. Auf alle Fälle war dies das Beste, was mir in den letzten Tagen passiert ist. Trotzdem muss ich einen Weg finden, wie ich zu Sandra, Tom und Ann-Kathrin zurückkommen kann. Wenn die mich nur verstehen könnten, ich würde ihnen ja sagen, dass sie sich nicht so an mich gewöhnen dürfen. Lange kann ich nicht bei euch bleiben. Irgendwie muss ich zurück zu meiner Familie. Egal wie lange es dauert. Nur dort bin ich zu Hause. Aber zunächst einmal bin ich froh und dankbar dass man mich aus dem Käfig befreit hat. Meine neue Familie geht mit mir durch die Stadt bis zu einem großen Hotel. Stolz werde ich  sofort mehreren Leuten vorgeführt. Dies ist unser Baldo höre ich immer wieder. OK Leute, also bin ich nun euer Baldo, ich kann euch ja nicht sagen das ich Rocky heiße, ich kann euch auch leider nicht sagen dass ich sofort zurück zu meiner Ann-Kathrin möchte. Schnell habe ich heraus, wie meine neue Familie heißt. Das kleine Mädchen ist 10 Jahre alt und heißt Lisa, die Mutter Sabine und der Vater Peter. Nun sitze ich hier in einem großen Zimmer und beobachte meine neuen Menschen. Peter kommt zurück aus der Stadt. Er hat eine große Einkaufstüte bei sich. Heraus kommt ein Futternapf, Spielzeug, Leckerchen, eine große weiche Decke und vieles mehr. Also das war ja schon mal ein feiner Zug. So geht für mich ein ganz aufregender Tag zu Ende. Er begann in einem dunklen Stall auf  Stroh und endet in einem feinen Hotelzimmer im Bett von Lisa.

 

 

Am nächsten Tag werden die Koffer gepackt. Lisa sagt, es geht jetzt nach Hause. Ja es geht zu deinem Zuhause, meins kennst du ja nicht. Ich darf nicht ungerecht sein. Sabine, Lisa und Peter haben mich ja schließlich gerettet. Wer weiß, wo ich gelandet wäre wenn Peter nicht zurückgekommen wäre und mich aus dem Käfig befreit hätte. Die Koffer sind schon alle im Auto und alle steigen ein. Ich darf auf den Rücksitz und liege nun neben Lisa. Die Fahrt beginnt. Ich schlafe keine Minute, immer wieder schaue ich aus dem Fenster, vielleicht erkenne ich ja irgend etwas wieder. Doch nichts kommt mir bekannt vor. Aber nicht aufgeben. Nach vielen Stunden verlasen wir die Autobahn und fahren in eine kleine Stadt. Wir halten vor einem großen Tor, welches sich automatisch öffnet. Durch einen großen Park erreichen wir das Wohnhaus. Nicht von schlechten Eltern, arm sind meine neuen Leute sicher nicht. Schnell sind alle Koffer im Haus, und Sabine zeigt mir meinen Platz. Neben einem offenen Kamin steht ein großer Korb mit vielen Decken und Spielzeug. Das war Baldos Platz, sagt sie zu mir. Hier hat der alte Baldo bis vor kurzem gelegen. Sie geht ans Fenster und zeigt auf ein kleines Blumenbeet, dort liegt er jetzt, er war ein ganz feiner Kerl, aber nun haben wir ja dich und es wird alles wieder gut. Dabei nimmt sie mich ganz fest in den Arm und weint. Ich lecke sie am Ohr und schlecke ganz vorsichtig die Tränen ab, so wie ich es auch immer bei Sandra und Ann-Kathrin mache, wenn sie traurig sind. Sie schaut mich dankbar an und sagt, so jetzt packen wir aber aus. Wir haben noch viel zu tun.

So langsam gewöhne ich mich an meinen neuen Tagesablauf. Morgens werde ich als erstes in den großen Garten gelassen, dann wird gefrühstückt. Ich bekomme zunächst immer ein Leberwurstbrot und ein halbes Ei. Dann fahren Peter und Lisa zur Arbeit und zur Schule. Wenn die beiden weg sind, joggt Sabine mit mir durch den Wald. Die ist richtig fit. Am Anfang hatte ich echte Probleme das Tempo mitzuhalten. Während Sabine dann duscht bekomme ich mein richtiges Frühstück. Dann gehe ich mit ihr in ihr Atelier wie sie sagt. Sabine malt Bilder. Mittags kommt dann ein Frau, die Frau Schmitz, und kocht für alle. Am Anfang war die sehr vorsichtig mit mir. Aber mittlerweile sind wir Freunde. Es lohnt sich immer bei ihr in der Küche zu sein. Dann kommen irgendwann Peter und Lisa zum Essen. Nach dem Essen gehen Sabine und Lisa immer mit mir durch den großen Park. Anschließend muss Lisa ihre Hausaufgaben machen und geht dann meistens zum Ballett. Sabine und ich fahren dann in die Stadt in ihr kleines Geschäft. Hier verkauft sie ihre Bilder. Auf dem Nachhauseweg halten wir immer noch an einem kleinen Waldstück an und spazieren hier noch ein wenig. Eigentlich wäre das Leben hier das große Los, wenn, ja wenn nicht mein zu Hause wo anders wäre. Nichts, aber auch wirklich nichts kann mir meine Ann-Kathrin und meine Familie ersetzen. Immer wieder liege ich in meinem Korb und überlege wie ich es wieder nach Hause schaffe. Meist sagt einer, schau mal wie traurig unser Baldo guckt. Ja ich bin oft traurig. So vergehen die Wochen und Monate. Mittlerweile ist es draußen wieder warm und ich bin meistens in dem großen Park. Hier kenne ich jeden Winkel. Der Park ist mittlerweile katzenfreie Zone. Unter denen hat es sich schnell herumgesprochen, dass ich, Rocky-Baldo, nun hier vorübergehend mein Revier habe. Auch sonst getraut sich niemand mehr hier irgendwelchen Blödsinn anzustellen. Letztens wollte doch einer tatsächlich Blumen aus einem Beet klauen. Ich weiß nicht, wem der seine kaputte Hose und Hemd erklären musste, jedenfalls kauft der sich sicher ab jetzt seine Blumen. Seit ein paar Wochen joggt Sabine nachmittags noch einmal, diesmal zusammen mit Lisa. Sie sagen, das wir bald alle gemeinsam in den Urlaub fahren, zum Wandern in die Berge. Da müssen wir alle fit sein. In den Bergen war ich noch nie. Zu Hause haben wir nur kleine Hügel rund um den Rhein. Der eine ist der höchste Berg Hollands, sagen die immer bei uns zu Hause. Dort war ich einmal, das war schlimm, lauter Menschen die laut waren und gesungen haben. Das war schrecklich. Wenn diese Berge nun noch höher sind, ob dann auch die Menschen immer lauter werden? Hoffentlich nicht, dazu habe ich nämlich keine Lust.

Dann war es soweit, die Koffer wurden gepackt und wir gingen auf große Fahrt. Aufgeregt saß ich im Auto, nach mehreren Stunden sah ich tatsächlich die ersten Berge. Buh, die sind aber wirklich groß. Unten waren viele grüne Wiesen. So grün habe ich bisher noch keine Wiese gesehen. Dann hielten wir an einem großen Bauernhof. Alles aussteigen, wir sind da. Aus dem Haus kamen Menschen und begrüßten meine Familie ganz herzlich. Seit acht Jahren fahren die schon hier hin, habe ich dann erfahren. Na gut, dann springe ich auch mal aus dem Wagen. „Der Baldo, ich denke der ist tot“, nein es ist unser neuer Baldo, aber er sieht dem alten zum verwechseln ähnlich. Schade, den hätte ich wirklich gerne einmal kennengelernt, wenn der soviel von mir hatte. Hier in den Bergen verbrachten wir drei ganz tolle Wochen, jeden Tag wurde gewandert. Es war zwar anstrengend, aber so etwas Schönes habe ich selbst zu Hause noch nicht erlebt. Fast hätte ich vergessen, dass dies ja nur ein kleiner Teil meines Lebens sein darf, denn ich muss ja zurück, ich muss wieder nach Hause. Das ist und bleibt mein Ziel. Was mögen die wohl zu Hause machen? Haben die mich mittlerweile vergessen, haben die sich auch schon einen neuen Rocky gekauft? Alles Fragen die mich immer wieder beschäftigen. Irgendwann werde ich irgendwas wiedererkennen und dann mache ich mich auf die Suche. Aber zunächsteinmal ist dies mein Leben und es ist ja nicht schlecht.

Nach dem Urlaub nahm alles ganz schnell wieder seinen gewohnten Lauf. Es wurde langsam wieder kälter und die Tage kürzer. Bald muss es ein Jahr her sein, dass mein Abenteuer begann. Ein ganzes Jahr, ich fing an, jeden Tag daran zu denken. Eigentlich war ich nur noch traurig. Mit mir war nichts mehr los. Ich hatte keinen Appetit mehr und wollte nur noch meine Ruhe haben. Meine Familie fing an sich Sorgen um mich zu machen. Ich bekam Vitaminspritzen und unendlich viele Tabletten. Nur, was sollten die denn schon helfen. Sabine meinte eines Tages, wenn wir Weihnachten alle Urlaub haben, dann wird es ihm schon wieder besser gehen, unserem Baldo. Weihnachten fahren wir zu Freunden an den Rhein, dort wird es dir gefallen. Sagt das noch einmal, bitte bitte noch einmal, wir fahren an den Rhein? Dort wo meine richtige Familie lebt. Wann fahren wir los, gleich oder gestern oder sofort. Ich sprang auf und lief vor Aufregung durch das ganze Haus. Ich holte all mein Spielzeug zusammen, brachte jedem irgend etwas. Was ist denn auf einmal mit dem los? Ich hab’s euch doch gesagt, meinte Sabine, der Baldo braucht Urlaub, dann geht es ihm auch wieder gut. Später, als ich mich wieder beruhigt hatte, kamen erste Zweifel. Ann-Kathrin hatte mir einmal erzählt, dass der Rhein unwahrscheinlich lang ist. Er fließt durch drei Länder. Warum sollten wir also ausgerechnet dorthin fahren, wo meine Familie lebt. Darf ich denn überhaupt meine jetzige Familie alleine lassen und traurig machen, wo die doch so viel für mich getan haben? Viele Gedanken gingen durch meinen kleinen Boxerkopf. Doch, ich darf, man muss immer wissen wo man hingehört. Und ich gehöre zu Sandra, Ann-Kathrin und Tom. Und ein Boxer ist nicht bestechlich, der steht ganz fest zu seiner Familie. Ich konnte es nicht erwarten, dass wir endlich losfuhren. Aber es dauerte noch ein paar Wochen. Viele Leute kamen uns besuchen, es war immer wieder etwas Neues los. Darüber habe ich dann auch die Reise ganz vergessen. Bis Lisa eines Abends sagte, Baldo, morgen geht es los, dann lernst du auch meine Kusine kennen. Das wird ein ganz tolles Weihnachten. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, schon vor dem Frühstück saß ich am Auto und wollte einsteigen. Alles lachte über mich und meine Reiselust. Doch war ich nicht doch ein wenig ungerecht? Ich wollte doch nur ins Auto, damit ich meine jetzige Familie verlassen kann. Aber wo ist das Leben denn gerecht, ist es gerecht, dass meine Ann-Kathrin nicht mehr laufen kann, das der Fahrer des Wagens, der Ann-Kathrins Pferd erschreckte, nur mit einer Geldstrafe bestraft wurde. Nein, gerecht ist das Leben wirklich nicht immer. Aber Sandra hat einmal zu Ann-Kathrin gesagt, als sie ganz verzweifelt war: Du darfst nie verzweifeln, du wirst dann selber irgendwann ungerecht, denke immer daran, dass ein Leben lange dauern kann und es viel Zeit gibt, wo sich Glück und Leid die Waage halten können. Im Leben gleicht sich alles aus, du mußt nur danach leben und daran glauben. Ja wo meine Sandra Recht hat, da hat sie nun auch wirklich Recht.

Dann ging es endlich los. Wir fuhren höchsten eine Stunde und kamen in eine recht große Stadt. An einer Seite sah ich einen großen Fluß, das musste der Rhein sein. Aber nichts sah so aus, dass mich an irgend etwas erinnerte. Wir fuhren in ein Gebiet wo lauter neue Häuser standen. Dort wo wir anhielten, waren vier Häuser in einem Haus. Reihenhäuser wären das, erzählte mir später Lisa. Lisas Kusine und ihre Familie waren ganz nett, das Haus war klein, der Garten winzig, aber die schienen hier trotzdem glücklich zu sein. Noch ein Tag bis Weihnachten. Dieser Tag sollte für die Kinder mit einem Ausflug verkürzt werden. Mit zwei Autos fuhren wir den Rhein entlang. Es wurden viele Pausen gemacht, Dinge besichtigt, Kaffee getrunken und alle waren glücklich. Mich interessierte nur die Gegend, ob mir irgend etwas bekannt vor kam. Nur konnte ich nichts wiedererkennen. Mittlerweile waren wir auf der Rückfahrt. Vor uns fuhr die Familie von Lisas Kusine. Peter paß auf, die halten an dem Parkplatz an, da muss sicher einer Pippi. Wir fuhren auch auf den Parkplatz und hielten an. Ich setzte mich, um mich zu recken. Plötzlich wurde ich ganz aufgeregt, das ist doch der Parkplatz, wo mich die Männer in den Kofferraum gesteckt haben. Sofort fing ich an zu jammern und zu bellen. Der Baldo muss auch Pippi, laß ihn heraus. Die Tür konnte nicht schnell genug aufgehen. Sofort war ich draußen, und nun? Einen Moment stoppte ich, schaute mir alles genau an, ja von dort hinten bin ich damals gekommen. Ich fing an zu laufen. Hinter mir riefen Lisa und Sabine „Baldo bleib hier, wo willst Du hin?“ Leute ich muss doch nach Hause, auch wenn morgen Weihnachten ist und ich euch traurig mache, aber das müsst ihr doch verstehen. Ich drehte mich um, blieb stehen und bellte. Danke, Danke für alles. Dann lief ich noch einmal zurück, sprang Sabine ins Gesicht und gab ihr ein Küßchen, schaute Peter und Lisa an und bellte Danke, Danke, vielen Dank und alles Gute euch Dreien und lief davon in den Wald. Wie in einem Film fiel mir der Weg ein, den ich damals nicht wiederfand. Weit hinten hörte ich verzweifelte Rufe „Baldo, Baldo komm bitte zurück“, Tut mir leid, ihr könnt mich nicht meinen, ich bin jetzt wieder Rocky. Ich lief durch den Wald und plötzlich merkte ich, wie es anfing zu schneien. So stark, das ich fast vor lauter Schneeflocken nichts mehr sehen konnte. Ich brauchte auch nichts mehr zu sehen, ich wusste den Weg. Da vorne hört der Wald auf, dort beginnt der Wiesenweg, dann noch zwei Kurven und dann, ja dann müßte ich unser Haus sehen. Ich lief, ich rannte, ich flog um die Kurven. Da war es, mein zu Hause. Hoffentlich sind alle da, ob sie auch alle gesund sind? Da ist das Gartentor, es kann zu bleiben, ich springe einfach drüber. Die Tür ist zu und ich belle und belle. Die Tür geht auf, Oma Gertrud, schön dass du da bist aber ich suche die andern. Ich renne laut bellend in die Wohnung. In der Küche steht Sandra, erschreckt sieht sie mich durch die Luft direkt auf sie zuspringen. Ich reiße sie um. Rocky, Rocky höre ich sie nur rufen, Ann-Kathrin kommt in ihrem Rollstuhl angefahren, ich springe ihr sofort auf den Schoß, ihr ganzes Gesicht ist naß, von oben kommt Tom angerannt. Ich weiß überhaupt nicht, wenn ich wie begrüßen soll. Alle weinen vor Freude. Auch ich weine ganz dicke Boxertränen vor Freude. Auf diesen Tag haben alle ein ganzes Jahr gewartet. Langsam beruhigen sich alle wieder. Rocky erzähl uns wo du die ganze Zeit  warst. Ja, könnte ich das nur, ihr würdet sicher staunen. Nun sitze ich vor Ann-Kathrin, sie lächelt. Es ist sicher das glücklichste Lächeln der Welt. Ich bin wieder zu Hause. Fast hätte ich es vergessen, den Dieter gibt es leider auch noch immer. Der Krach ließ ihn in die Küche kommen, oh Gott, der Köter ist wieder da, das war sein Kommentar. Es wurde trotz seiner Anwesenheit das schönste Weihnachtsfest in meinem Leben.

Ja und nun kennt ihr mein größtes Abenteuer. Nie wieder werde ich einfach weglaufen, nie wieder werde ich meine Familie alleine lassen. Hier auf meinem Lieblingsplatz genieße ich nun wieder mein Leben. Es ist toll, ein Boxer zu sein. Manchmal denke ich noch an Lisa, Sabine und Peter. Was für mich und Ann-Kathrin der glücklichste Tag unseres Lebens war, war für sie der traurigste Tag. Und so haben jedes Jahr die einen Kinder glückliche Weihnachten und andere nicht. Man darf deshalb nicht selber unglücklich werden, aber man muss dafür, dass es einem gut geht, dankbar sein. So, und nun geht mein Boxerleben weiter und glaubt mir, wenn euer Rocky euch sagt.

Das Leben ist schön!!!

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